Zwischen den Dörfern Alvaneu und Schmitten ist ein zerrissenes, dicht bewaldetes Tobel, durch welches auch ein Weg nach dem Bade Alvaneu führt. Niemand geht bei Nacht durch dieses Tobel, wenn er nicht hart muss. - Einstens musste ein Jüngling in der Nacht von Schmitten nach dem Bade, um den Doktor zu holen, als er im Tobel eine herrliche Musik hörte, welcher er lange Zeit lauschte; allein bald gewahrte er mit Schrecken, dass eine grosse Schaar dunkler Gestalten daher kam, voran ein Musikant. - Er wollte sich verstecken, aber Einer im Zuge holte ihn aus seinem Verstecke hervor, und er musste mit. Nun ging's bergab, bergauf, hin und her, die ganze Nacht, bis gegen Morgen, wo Halt gemacht wurde. Der Junge musste in die Mitte treten, und die Andern tanzten Alle um ihn herum; es geschah ihm nicht das Geringste. Als die Morgenglocke ertönte, zerstob die nächtliche Gesellschaft plötzlich, und mit Mühe fand der Junge den Weg durch das ihm unbekannte Gestrüppe. - Er traf den Arzt, brachte sein Anliegen vor und erzählte seine Erlebnisse während der letzten Nacht. - Der Doktor ging mit ihm nach Schmitten, wo die leidende Mutter des Jungen die Krisis überstanden hatte und auf dem Wege der Besserung sich befand; ihr Sohn aber, der hatte über die ihm begegnete Geschichte einen solchen Schrecken in sich gefasst, dass er irre wurde.
Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.