Am Ende des unteren Dorfes von Gösgen steht noch ein Turm und eine steile Mauer des Schlosses Falkenstein. In einem Wäldchen, nahe beim oberen Dorf, liegt die Ruine des Raubschlosses Hagnau.
Dort lässt sich, so oft das Wetter wechselt, der Geist des verrufenen Schlossherrn, der Schlossgrün, sehen. Er kommt nachts den Hügel herab, schreitet am Ufer des Flusses funkensprühend auf und ab, ruft über das Wasser hinüber, und trotz des Rauschens hört man seine gellende Stimme bis in den jenseits liegenden Steckhof.
Im Spätherbst 1856 weckte um Mitternacht ein durchdringender Hilferuf einen Burschen vom Steckhof aus dem Schlaf. Der Ruf kam aus dem Hagnauer Hölzchen. Da sprang der Bursche aus dem Bett und ging in das Wäldchen hinüber. Aber dort stand ein baumhoher Mann vor ihm, der ganzen Länge nach in einen grünen Mantel gehüllt. Wenn man an ihm emporblickte, sah man in seinem Gesicht zwei grosse Feueraugen. Da sprang der Bursche von Angst gepackt davon, doch der baumlange Schwarze verwehrte ihm den Weg. Und der Bursche musste ihm durch Dick und Dünn, über Stock und Stein folgen. Als sie gegen das Dorf kamen und die ersten Häuser auftauchten, versuchte der Bursche, unter eines der Dächer zu springen. Doch der Schwarze holte ihn zurück. Und nun ging es weiter auf die Eicher-Almende, durch den Wald Lehen, den Dorfbann hinaus hinüber in die Wälder beim Dorfe Kölliken.
Schliesslich wurde der Bursche aus dem Aaretal hinweggeschleppt, über die Bergwälder in das jenseitige Tal. Stumm eilte der Schwarze voran und der Bursche musste ihm folgen. Als sie an einem Bauernhaus hart am Saume des Kölliker Waldes vorbeikamen, fuhr der Schwarze unter dem Knall eines Blitzes in dieses hinein. Als der Bursche wieder zu Sinnen kam, fand er sich im Heu einer Scheune. Zwei Tage hatte er hier schon gelegen und war am Hunger erwacht. Als er die Leute im nahen Haus um ein Stück Brot bat, warfen sie ihm schreckensbleich ein Stück zum Fenster hinaus, verschlossen aber Fenster und Türe. Denn der Bursche sah grauenerregend aus. Die Kleider waren zerfetzt, Arm und Bein voll geronnenen Blutes, die Augen rot von Fieberhitze und der Kopf in der Grösse einer Kornmetze aufgeschwollen. Als er nach Hause kam, dauerte es manche Woche, bis er wieder das Bett verlassen konnte.
Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch